#1: Campus WU

Der neue Campus der Wirtschaftsuni Wien (WU) zeigt, dass öffentliche Bauprojekte nicht zwangsläufig mit jahrelanger Verspätung und immensen Kostensteigerungen verbunden sein müssen. Nach 45-monatiger Bauzeit wurde der größte Unineubau Europas am Welthandelsplatz 1 (zwischen Messe und Prater) am 4. Oktober 2013 eröffnet. Die Baukosten? 492 Millionen Euro. Auf einer Grundstücksfläche von 90.000 Quadratmetern stehen sechs Gebäudekomplexe, die rund 25.000 Studierenden Platz bieten.

Organisiert ist die neue WU, zumindest in baulicher Hinsicht, in Departmenteinheiten. Jedes Department hat nicht nur eine ganz eigene architektonische Identität, sondern ist auch komplett eigenständig mit eigenem Eingangsbereich zu betreten. Mehrere namhafte internationale Architekturbüros haben am Projekt mitgewirkt: Architekten aus Österreich wie BUSarchitektur ebenso wie die spanischen Büros No.mad und Estudio Carme Pinos, das japanische Atelier Hitoshi Abe, CRABstudio aus London sowie die britisch-irakische Stararchitektin Zaha Hadid.

Im Zentrum des Uni-Campus liegt das von Zaha Hadid geplante "Library and Learning Center - LLC", ein futuristisch anmutender Bau mit markanter Raum-Dach-Konstruktion, der u.a. die Bibliothek, zwei Festsäle sowie das Study Service Center beherbergt. Aus ästhetischer Sicht sind allerdings das mit einer markanten Rost-Fasade verkleidete "Departmentcenter 1 - D1" samt Hörsaalzentrum (BUSarchitektur) sowie die Executive Academy (No.mad) am besten gelungen.

Die sechs Gebäude sprechen wie erwähnt alle eine eigene Sprache und zeichnen sich teils durch eigenwillige Formen aus. Das ist auch gewollt. Der Campus soll so wirken, als sei er organisch gewachsen und nicht auf dem Reißbrett entstanden. Dies ist zumindest teilweise gelungen. Gespart wurde hingegen bei den Grünflächen, weshalb das gesamte Areal nicht unbedingt zum längeren Verweilen einläd. Aber das ist Jammern auf sehr hohem Niveau...